2.So.im Jkr. – 19.01.2020

Sein ganzes Leben lang hatte Johannes auf diese Begegnung gewartet. Ich versuche mir vorzustellen, wie er überrascht, berührt, überwältigt gewesen sein muss, als er erkannte, dass sein Warten ein Ende gefunden hatte, als er in Jesus den ersehnten Messias erkannte. Er war aufmerksam, er hat die Zeichen, von denen die Begegnung begleitet war, gesehen und verstanden. Seine Mission war damit erfüllt, sein Leben nahm von da an einen anderen Weg.
Auch in unserem Leben sind es immer wieder Begegnungen, in denen die Weichen neu gestellt werden. Ich denke etwa an die Berufswahl: oft geht der Impuls von einem Lehrer aus, manchmal von Freunden, hin und wieder auch von einem Priester.
Im Hebräerbrief haben wir in dieser Woche ein ganz bedeutsames Wort gehört: „Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet nicht euer Herz.“ Es geht darum, sich zu öffnen. So wie der Himmel sich öffnet – ein gutes Bild für den Beginn einer geschenkten Gotteserfahrung: der geöffnete Himmel.

Es geht darum, bewusst zu leben und sich Gott zu öffnen. Ein Weg der Gottesbegegnung geht auch über den Mitmenschen. Als Christ versuche ich, in meinem Nächsten Jesus zu sehen.

Das ist bekanntlich nicht immer ganz einfach. Aber liegt darin nicht die Chance, ihm zu begegnen, so wie Johannes? Zufall oder Fügung – wie man seine Begegnungen auch betrachten will, wichtig bleibt doch, mit Achtsamkeit und mit offenen Sinnen durchs Leben zu gehen. Denn allzu leicht ist der rechte Augenblick verpasst und dahin. Wenn ich ganz da bin, mit allen Sinnen, mit Leib und Seele, mit Haut und Haar, wenn ich im Heute lebe, im Hier und Jetzt, habe ich die Chance, Gottes Stimme zu vernehmen und ihm zu begegnen, nicht gestern, nicht in zwei Stunden, sondern heute, JETZT!


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